Österreichs Hotels fallen bei ChatGPT durch
- 24. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Wer heute ChatGPT, Gemini oder Perplexity nach einem Hotel fragt, bekommt österreichische Häuser kaum zu hören. Das zeigt eine neue Untersuchung der niederösterreichischen Agentur maxonline, die 515 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten geprüft hat.

Schlusslicht im Ländervergleich
Von 100 möglichen Punkten erreicht Österreich im Schnitt gerade einmal 9,6. Deutschland liegt mit 11,2 Punkten leicht davor, die Schweiz führt das Feld mit 14,3 Punkten an. In die Auswertung flossen 172 österreichische Betriebe ein. Als Datengrundlage diente die AI-Visibility-Datenbank von Semrush, die laut Studie mehr als 289 Millionen reale Nutzeranfragen an KI-Systeme auswertet.
Kennen reicht nicht
Entscheidend war für die Studie nicht, ob ein KI-System ein Hotel kennt, wenn es namentlich gefragt wird. Das ist ohnehin fast immer der Fall. Untersucht wurde vielmehr, ob ein Haus empfohlen wird, wenn ein Gast ganz ohne Markennamen fragt, etwa nach einem Wellnesswochenende oder einem Wanderurlaub mit Hund. Alle markenbezogenen Anfragen flossen daher gar nicht erst in die Auswertung ein.
Harald Fischl, Geschäftsführer von maxonline, bringt es auf den Punkt: „Genau in dieser Situation entstehen neue Gäste.“ Wer bei generischen Anfragen nicht unter den drei bis fünf genannten Namen auftaucht, wird laut Fischl nicht schlechter bewertet, sondern kommt schlicht gar nicht erst vor.
Sterne und Lage sind kein Schutz
Auch fünf Sterne helfen kaum: Diese Kategorie kommt im Schnitt nur auf 12,9 Punkte, Vier-Sterne-Häuser auf 10,7 Punkte. Beide Werte liegen deutlich unter der Schwelle, ab der KI-Systeme verlässlich empfehlen.
Selbst bekannte Regionen schneiden schlecht ab. Graz führt innerhalb Österreichs mit 15,5 Punkten, während die Wachau nur 7,1, Lech am Arlberg 8,5 und Kärnten sogar nur 4,4 Punkte erreichen. Branchenweit liegen 93 Prozent aller untersuchten Hotels unter 20 Punkten, 28 Betriebe kommen auf null Punkte, darunter auch Fünf-Sterne-Häuser aus international bekannten Destinationen.
Ketten klar im Vorteil
Von den 515 untersuchten Domains gehören 472 privat geführten Einzelhäusern und 43 Ketten- oder Mehrhausbetrieben. Der zentrale Befund der Studie: Ketten werden dreimal häufiger empfohlen als privat geführte Häuser. Für unabhängige Hoteliers bedeutet das einen klaren strukturellen Nachteil bei der KI-gestützten Reiseplanung.
Die Mehrheit der österreichischen Luxushotels ist für generische Anfragen an KI-Systeme praktisch unsichtbar, unabhängig von Sternekategorie oder Bekanntheit der Region. Da KI-Systeme wie ChatGPT und Gemini bei der Reiseplanung zunehmend an Bedeutung gewinnen, könnte dieser blinde Fleck für privat geführte Häuser künftig zum handfesten Wettbewerbsnachteil werden.
FAQ
Wie viele Hotels wurden untersucht?
515 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz, davon 172 in Österreich.
Warum wurden Markenanfragen ausgeschlossen?
Weil die Studie genau die Situation abbilden wollte, in der ein Gast ein Hotel noch nicht kennt und die KI ohne Markennamen Empfehlungen ausspricht.
Welche Datenbasis wurde genutzt?
Die AI-Visibility-Datenbank von Semrush mit über 289 Millionen realen Anfragen aus ChatGPT, Gemini, Perplexity und Google AI Overviews.
Wurden einzelne Hotels genannt?
Nein, die Studie bleibt auf Branchenebene und nennt keine Einzelbetriebe.
Wo gibt es die vollständige Studie?
Die ganze Studie kannst du hier abrufen.

